bei der vorliegenden aufnahme "land" handelt es sich zunächst um eine wiederauflage, da das original bereits im januar 2012 auf somehow recordings erschien. inner ocean records hat als schmankerl für das neuerliche veröffentlichen die "land remixes" dazugepackt. beide alben gibt es im sogenannten combo pack hier zu kaufen.
die schlicht überschriebenen songs lassen flink assoziationen zu, geben vor, auszüge aus einer tatsächlich existierenden welt wiederzugeben, so organisch, so rein, so widerspruchslos klingen sie zuweilen. es sind keine packenden synthiewelten, sondern strich gezogene landschaften. der iranische künstler, der hinter diesem projekt aus ambient und field recordings steckt, nennt sich porya hatami. er bewohnt eine im nordwesten des landes befindliche stadt namens sanandaj. märchenhaft auch sind seine zur kontemplation einladenen sounds, an geruhsamkeit, an sachtheit, an minimalismus kaum zu übertreffen. gläsern fast, so dass man sich als hörer selbst zur bedachtheit aufgerufen sieht. hier muss über jeden einzeln gesetzten ton lange nachgedacht worden sein.
etwas offener, weniger karthatisch dagegen scheinen die remixes zu sein, jedenfalls zwei der ausgestellten track geben anlass zu dieser vermutung. den rest kann man sich allerdings, denn man ist nun längst in phantasia angelangt, leicht vorstellen. nehmt einen atemzug.
beschwingtheit, heiterkeit, die einhergeht mit folkloristischer berauschtheit und einem ziselierten klangbild. da kann einem nur das herz aufgehen. die gesänge stolpern durch das satt bestellte feld. das drumming ist belebt, die klavierspuren exaltiert, der bass alles andere als zögerlich, flöten flirren, soundschmeicheleien fügen sich ein. selbst wenn es das cover des albums von me and my kites nicht vorgeben würde, man hätte förmlich eine hippiegarde vor augen, die auf grüner wiese im tanz verhangen ist. etwas arty, etwas chamber, etwas kühle popatmosphäre, stets warm brausend und immer mit einem psychedelischen lächeln belegt. eine musikalie für ein heiteres sommergesicht.
waren es am ende sechzehn musiker oder gar mehr, die am release von "like a dream back then" beteiligt waren, welches im mai auf ÅÄÖ fonogram erschien? david svedmyr hatte eingeladen. und so kamen mitglieder von lisa o piu, life on earth!, von promise and the monster, our solar system und vielen anderen bands mehr. in einer behausung im norden stockholms wurde aufgenommen, was sich am ende wie aus der zeit genommen anhört. unter dem moniker me and my kites wurde also schließlich festgehalten, was man als einen bunten strauß erfrischender ensemblearbeit nennen darf.
die band, zu der unter anderem lisa isaksson (lisa o piu) und mattias gustavsson (dungen/ life on earth) gehören, benannte sich übrigens nach einem song von fuchsia aus dem jahr 1971.jetzt ziehe ich mal los, um noch ein vinyl zu ergattern. seid Ihr dabei?
am samstag, den 06. juli (ab 14 uhr) findet bereits zum fünften mal das down by the river festival in berlin statt. der hort der nonkonformisten zieht dabei immer mal wieder auch um. so wird die sause dieses jahr im garten des ://about blank (markgrafendamm 24c) stattfinden. mit dabei ist eine illustre künstlerschar, die unter folgendem motto antritt: "alle stile und genres sind erwünscht. es geht eher um das wie als das was, um diy, community und eine große bandbreite, die die musikalische vielfalt berlins und seiner „szenen“ widerspiegelt. unerhört muss es sein und die qualität muss stimmen. es gibt viel zu entdecken." so vermelden es die veranstalter und rücken ansprüche ins licht. erfüllen müssen diese die nachfolgend genannten protagonisten: allie, the anna thompsons, a.j. holmes (the hackney empire), the burning hell, david necchi, dibs, fenster, islaja, mykey in the ugly fire, phoebe kreutz, steffen basho-junghans, thunderegg und toby goodshank.
auf den einen und den anderen künstler wollen wir einen genaueren blick werfen, um Euch den mund ordentlich wässrig zu machen. denn wer in oder um berlin wohnt, sollte sich diese veranstaltung nicht entgehen lassen. hier herrscht der gute musikgeschmack, abseits selbst des penetranten indie- einheitsbreis.
am erstaunlichsten ist vielleicht die verpflichtung von steffen basho-junghans, den 1953 in sachsen geborenen stahlsaitengitarristen. unter all dem jungvolk wird er auffallen, dennoch sich ins bild fügen mit seiner art musik zu machen: "[...] in einer art durchwandern ausschnitte der welt zu erfahren, entstehen zu lassen. alles entsteht aus vorstellung, erinnerung, stimmung - jeweils eine Art exkursion ins innere des äußeren." (quelle). mehr als ein dutzend soloalben sind gelistet, unzählige beiträge auf compilation sowie forschungsarbeit über robbie basho. mit seiner 6- bzw. 12 saitigen steelstring lässt er folk-western-raga oder minimal-trance-folk entstehen. das wird einmalig.
zu thunderegg schrieb ich bereits mehrmals in diesem blog, unter anderem war zu formulieren: "denn dieser melodienreichtum, der einschluss mehrerer gängiger harmonien pro song ist atemberaubend, geradezu unwahrscheinlich. während sich die grundthemen schlüssig hergeben, wird im hintergrund gezaubert, was das instrument (autoharp, dulcimer, horn, piano, pedal steel) so hergibt. vertrautheit schaffend und zugleich aufmerksamkeit heischend, das ist die große kunst. den hörer binden und ihm aufgaben mitgeben, die lieder zu ergründen, ihrer herr zu werden. verstecktes, feinheiten, graduierungen, ornamentierungen, blitzwerk. hinzu gesellt sich die stimme des frontmannes und projektgründers will georgantas, ein zugängliches, wie munteres organ, das sich dem limit widersetzt. so entsteht eine musik, die immer wieder an der selbstverständlichkeit schrammt, zu eingängig zu sein, an der schamlosigkeit, mit der der schlager von seinen hörern angenommen wird, an der offenbarungsqualität von relegiösen schriften, am kitsch gar. doch die waage wird gehalten, keine sorge." da hängt eine kleine liebe dran, denn schließlich haben wir will und konsorten ganz feste bei ihrer tourplanung unterstützt. allein thunderegg sind also schon eine reise bzw. ein besuch beim down by the river wert.
auch zu toby goodshank hatte ich einleitende worte gefunden, im märz war es, da er sich gerade auf tour befand: "wem außer der beteiligung an der legendären antifolk band keine weiteren fakten zu dem burschen aus new york bekannt sind, der sei daran erinnert, dass toby auch bei double deuce, the tri-lambs und the christian pirate puppets sein unwesen trieb. nicht zuletzt aber, und dies gilt es zu betonen, war er stets ein profilierter solokünstler, der es innerhalb von fünf jahren auf vierzehn alben brachte, der auf tour mit jeffrey lewis und kimya dawson war, der seinen ganz eigenen stil gefunden hat. den setzt er auch auf seinem neuen album "minus dias"! fort. neben seiner freundlichen gitarrenarbeit und dem stolzen gesang ergänzt er um fein getunetes. ein paar soundspritzer, stets mit bedacht gesetzt, die die sparsamen arrangements gekonnt ausstaffieren. am präsentesten sind aber stets die melodien, songs, die somit leicht in erinnerung bleiben. etwas das anschmiegsame "comet", das vertrauen erweckende "four stars are drawing in around you" oder der hier auch angegebene titeltrack "minus dias" mit seinem wachen drone. goodshank hat aber noch mehr zu bieten, zum beispiel texte, die stets zum nachdenken anregen. sei es über ärgerlichen beziehungskram, sei es über große existentielle probleme. schön, dass er uns hierzu mit ins boot holt." also, toby ist dabei, in berlin, anfang juli!
etwas prophetisch berichteten wir im april 2007 über folgende künstlerin:
"islaja hört im wirklichen leben auf den namen merja kokkonen. aber dieses leben hat sie entweder vollständig abgestreift oder aber kann es immer wieder ablegen, wenn es gilt, als islaja neo folk oder psychfolk genannte musik zu fabrizieren. dabei behilflich ist sicher die tatsache, dass sie bereits mit avarus, kemialliset ystävät und hertta lussu ässä musik gemacht hat, allesamt dem psychfolk zugehörig. wunderbare genrebetitelung, die es wahrlich trifft. eine unzählige anzahl traditioneller und neuzeitlicher instrumente, die zumeist sporadisch auftreten, ausgeformt mäandern dürfen und neben einer rahmenfunktion nur selten in den mittelpunkt treten, bilden das fundament für die sirenengleiche stimme der finnin. vergleiche bieten sich an. natürlich ist björk und joanna newsom dabei, aber auch nico und gern genannt syd barrett. psychedelisch und vor allem sehr intim geht es auf den mittlerweile drei alben zu. das neueste, so eben erschienen, hört auf den namen: "ulual yyy". vielleicht kann islaja aus den langen schatten ihrer heimat heraustreten und wird über die grenzen hinweg bekannt."
über die vielen anderen künstler dürfte man ähnlich euphorisches berichten. das wichtigste noch einmal in aller kürze: ://about blank, markgrafendamm 24c / s ostkreuz; doors: 14:00 / start: 15:00 entry. 15 €
+ afterparty im antje Øklesund.
simon stålhamre, jacob snavely und christopher cantillo sind small feet. sie stammen aus stockholm und landen gerade mit ihrer debüt ep mehr als einen achtungserfolg. der folkinfizierte traum stösst garantiert bis in tiefen, vor denen man zuweilen reissaus nimmt. wenngleich das ganze schmachtend und willentlich und auf den ersten höreindruck friedlich sein mag, so baumelt an jeder note doch ein kleines hackebeil mit widerhaken. den release gibt es in verschiedensten editionen auf kning disk zu kaufen, auf 2 singles mit vier tracks, digital mit einem zusätzlichen song und auch auf einem sehr schmucken kassettenteil, aufgestockt um zwei demos, insgesamt mit sechs liedern.
ein aktuelles video zu "rivers" ist gerade erschienen, welches wir Euch nicht vorenthalten wollen. der folk, zu dem hier angestimmt wird, ist einträglich, oft organischer als uns wesensgleiches heute sehr gern auftragen möchte.geht ein stückchen mit.
der casio zieht ungebunden seine kreise, dazu ergänzt sieht sich eine angekettete stimme, die mit ihrer fehlenden variabilität, mit ihrem stoizismus für konstanz, für einordbarkeit sorgt. die lofitronic muster, die hier herausgeschossen werden, werden von saintes abgefeuert. hinter dem projekt steht vornehmlich die pariserin anne-sophie le creurer, die seit einem knappen jahr in dieser weise musik macht. neben ihrem ma 120 bringt sie eine gitarre, diverse pedals und samplepower an den start. seit geraumer zeit gibt es auch personelle unterstützung in form von floriane kaeser, die live das keyboard bearbeitet oder den schellenkranz. erste veröffentlichungen sind noch rar, bis auf den einen samplerbeitrag, nämlich "pull marine", einem isabelle adjani cover, auf der compilation "bétonneuse chloreuse" (märz 2013), gibt es lediglich die zumindest berechtigte hoffnung, dass ihr eingespieltes tape bald auf crash symbols erscheinen wird. mit bad casio cover existiert zudem eine seitenunternehmung: "old 1960’s french yéyé songs lo-fi covers". warten wir gebannt auf den release und halten Euch hin mit diesen beiden schicken versionen. salut.
das video passt zu den sommerlichen gegebenheiten. es dürstet uns nach wassern. mit ihrem video zu "blue elvis" kommen peals unserem wunsch nach. hinter dem launigen projektnamen verstecken sich william cashion und bruce willen, die in der baltimorer szene durchaus zuhause sind, der eine ist mitglied bei future islands, der andere bei double dagger. seit dem letzten jahr arbeiten sie zusammen und haben in diesem jahr mit "walking field" ein erstes produkt vorzulegen, das es bereits via thrill jockey zu kaufen gibt. ihre atmosphärischen sounds, hervorgezaubert aus akustischen und elektrischen gitarren, keyboards, tamburins, spielzeug klavieren und anderem mehr bewirken eine instant erdung.
warm brausen die wellen in die brandung der zackigen perkussion, der flach gestrichenen gitarrenarbeit, der linkischen elektrischen, der leicht ins greinen gestellten stimme. der sound gebiert weite, die im hall ins unendliche gereicht. mutig, wenn man gezwungen wird, dieses klanguniversum auszufüllen. denn hielte man die einzelnen elemente im zaum, ergäbe sich magere kost. doch cancellieri gelingt es auf seiner dritten veröffentlichung, die folgerichtig "III" heißt, in die breite zu produzieren. bei aller spärlichkeit des instrumentariums gaukelt er uns verfolgbare, mändernde strukturen. streicher, die sich beifügen, das blechwerk scheppernd, bläser. nicht zuletzt hat der "shotgun blues", den ryan hutchens, der sich unter cancellieri einer solokarriere hingibt, als dritten track anstimmt, bewegliches potential. eine drift zwischen den eisschollen der soundexperimente. wenn sich in "higher" banjo und mundharmonika wieder einbinden lassen in die bekannte soundlandschaft, läuft bereits erinnerungsarbeit. ein kunst, die der langhaarige kerl beherrscht. auf den straßen dieser welt muss er damit schon einige um den finger gewickelt haben. einfach gestrickte, aber bedacht vorgetragene lieder, die von einer kraftvollen stimme forciert werden. geübt im homerecording, gewappnet im livevortrag, stehen die chancen gut, dass sich hutchens auch in der studioarbeit bewährt. die dritte ep also, die am 04. juni veröffentlicht wurde. aufgenommen wurde mit alex mccollum von stagbriar. zur zeit ist der release nur digital verfügbar, aber da wird sicher noch mehr gehen.
gerade das zweite oder dritte mal, dass ich mir "hieroglyphs of the soul" vornehme und schon kann ich mitsummen und mich porentief erinnern. in dieser ausgewachsenen form habe ich das eher selten. doch die elf tracks des zweiten solooutputs von paul colilli gehen ganz unmittelbar ins ohr. immer wieder habe ich dabei die vokabeln "altmeisterlich" oder "routiniert" im kopf, ohne dass ich diesem werk in irgendeiner form entsagen wollte. im gegenteil möchte ich hervorheben, dass hier jemand seine kunst versteht und sie genau auf den punkt bringt. popsongs, die sich einer mäßigen roughness bedienen und stets treulich dem harmoniegedanken folgen. "the alchemical jesus" etwa mit seinem mitsingrefrain hat ohrwurmcharakter. doch die messlatte ist noch viel höher. etwas artrockiges schiesst immer wieder ins getriebe, verzögert, lässt driften und ausschweifen. so fallen auch die musikalischen einflüsse colillis nicht weiter auf, es sind neben den beatles und brian jones' rolling stones, syd barretts pinkl floyd, nico und velvet underground auch procul harum, soft machine, king crimson und einige mehr aus diese ära. kinks, faust, can addieren sich, daneben klassische musik, auch einiges aus den vierziger und fünziger jahren sowie experimentelles.
paul colilli ist aktuell aber zuvorderst aber erst einmal eines: er arbeit als professor für mittelalterliche und literatur und philosophie der italienischen renaissance und des mittelalters. d.h. er kann sich vornehmlich nachts seiner künstlerischen ambition widmen, wobei, so betont colilli, sich beide fächer gegenseitig befruchten. analogien finden sich beim schreiben von büchern und artikeln bzw. von alben und songtexten. wort- und klangbilder haben ihren ursprung, ihre quelle in einigen der philosophischen und literarischen traditionen. doch die ersten pfründe liegen eindeutig bei der musik begaben. colilli hätte man auch als gründer der proto electropunk band simply saucer kennen können. er war zudem mitglied der neuro angels, später nahm er solo unter dem moniker orpheus in the underground auf. nach einigen jahren pause reaktivierte colilli seine musikalischen aktivitäten und brachte 2011 das album "psycho scared music" heraus. dem folgt nun "hieroglyphs of the soul, für das der releasetermin auf dem 11. juni liegt.
colilli macht musik seit den siebziger jahren und muss auch als zeitzeuge wahr- und ernstgenommen werden. mit simply saucer, so weist er heute noch darauf hin, sei ihm / der band seinerzeit etwas revolutionäres gelungen. mit eigenen worten aus einem interview, das er im letzten jahr gegeben hat: "as i recall, now we are talking about 1973, we had totally deconstructed the traditional song and instrumental structures to the point where we were producing an uncompromising and savage form of industrial ambient sound. the saucer were decades ahead of their time. or, put in a different way, the saucer were musicological heretics, something of which i am very proud to this very day."
mit seiner musik versucht colilli immer wieder, den hörer in eine art trance zu versetzen. das bis dato noch nie gehörte soll narkotisierend wirken und den betreffenden in einen anderen zustand der bewußtheit transportieren. ob das gelingen mag, werdet Ihr selbst überprüfen. via bandcamp könnt Ihr vorab testen und im nachgang auch gern den tonträger kaufen. ich bin begeistert vom harmonienreichtum, der finesse der arrangements und auch von colillis gesang, der in gewisser trocken und zugleich etwas verschmitzt daherkommt. oft werde ich an elvis costello erinnert, der gern auch verwegenes setzt, ohne dass er den pfad der eingängigkeit allzu weit verlassen müsste. tip!
dass sich der künstler gegenüber seinem publikum offenbart, dass er sich häufig genug zur nacktheit zwingt, wir wissen es. dass er seinen abgründen nicht ausweicht, im gegenteil in sie eintaucht, um uns daraus vorzulesen, wir haben es erlebt. dass er manchmal seinen offenbarungszwang, die tägliche notwendigkeit dazu nicht ertragen kann, wir haben es geahnt. während wir uns zur ablenkung zwingen, den inneren dämonen so oft es geht entsagen, konfrontiert sich der künstler, wenigstens möchten wir ihn in aller ernsthaftigkeit so wahrnehmen, mit dem heiklen material seine intimen widrigkeiten. dem einen gelingt das für die zeit einer konzertreise, dem anderen geht zwischendrin der mut, die kraft, die emotion verloren. es wäre das selbstverständlichste.
nun bin ich nicht vertraut mit scout niblett und ihren nöten. doch was sie an diesem mittwoch abend präsentierte, war nach außen gekehrtes unbill. sie trug die tragik offen. man konnte aus ihren gesichtszügen das waidwunde lesen. getroffen war sie bereits, als sie auf die bühne kam. als sie nach nicht einmal einer stunde bereits wieder ging, schien sie auf eine weise besiegt, die ich fast unerträglich fand. ein besonderes ärgernis, sie zu einer zugabe herausgezwungen zu haben. die musik war bereits eingeschaltet, doch ein durstiges publikum verlangte nach mehr von dem rachsüchtigen saft der neugier und des voyerismus. "i am" war da die richtige antwort.
und wenn es nicht genüge wäre, dass sich der künstler nicht wohl in seiner haut fühlt, trieben nebensächlichkeiten ein teuflisches spiel. der verstärker nibletts war im eimer und gab für die dauer des konzerts ein unüberhörbare schnarren von sich. auch in lauteren passagen musste man sich mühe geben, um gnädigerweise das störende nebengeräusch zu ignorieren. dass mehrmals zwischenrufe aus dem publikum kamen im sinne von "anlage abschalten!", tat da sein übriges. danke an den rückrufer: "ansage abschalten!" war sein treffender kommentar. scout niblett ergänzte, dass es sich doch um einen coolen umstand handle und sie schließliche eine noiseband wären und grinste dabei verlegen. ihre anfragen nach wünschen gleich zu beginn des konzerts blieben zudem fast gänzlich unbeantwortet, jemanden fiel noch "kiss" ein, dann erbat sie sich fragen, mehrmals, auch hier keine reaktion aus dem publikum. das waren mehr als missliche ausgangspositionen.
nach zwei solonummern kamen jeweils kurz aufeinander drummer jan phillip janzen und der auf dauer breit kaugummi kauende miguel ortiz caturani auf die bühne, um dem vortrag etwas mehr 'bumms' zu verleihen. die schießbude war derart auf knalleffekt eingestellt, dass sie sich mehr als befeuernd in den dienst der 1973 geborenen emma louise stellte, mehr denn zu einem ganz paritätischen element des vortrags wurde. trommelwirbel, die pausen füllten, eurptives, manisches. gelungen in jedem fall. auch das zusätzliche gitarrespiel war ein willkommener gruß an lautstärke und kraftvollerem vorwärts.
doch am ende blieb immer scout. ihr züngelnder gesang in den leisen, ihr maß nehmen in den lauteren, in den lauten passagen. ihr schreien ist dabei ein nie vollendetes, als wage sie nicht den weg zu ende zu gehen.
ihre kunstfertigkeit an der gitarre, dieses gezielte spiel, um stimmungen zu belegen, sich ein begleitensemble zu kreieren. seltener kannst du erleben, wie töne zahm sich fügen, um der gesungenen note zu folgen. ein einträgliches buchstabieren. vorbeten, nachtun. es ist eine ordnung, die der künstlerin halt verleiht. und so folgte die zuschauerschar im gut gefüllten strom einem immer wieder gleichen muster. einem zögerlichen beginn, in dem die instrumente pferden gleich mit den hufen scharren, folgt der ausbruch und die entladung. die gitarren fetzen und erhalten durch die schwere der schlagzeugwucht ihre energetische bestätigung. songs aus dem neuen album "it's up to emma" changierten dabei zwischen der fragilität angelehnten gesangs und dem punch eines organischen krawallschlages.
eine verlorene liebe, und du kannst sie zeile für zeile buchstabieren, ist eine verlorene liebe. und wovon sollten wir sonst zehren, wenn nicht vom schmerz, der uns an uns bindet. und wovon sollten wir sonst erzählen, wenn nicht vom geschlagen sein. und was ist unsere größte triebfeder, wenn wir nach ausdruck suchen. der schmerz. er hinterlässt spuren. wie die strähnigen haare im gesicht. wie die ausgezerrten züge, die licht entsagenden falten, das falsche schmunzeln, die tränennassen augen. "could this possibly be?" wird zum stärksten und bewegendsten stück, weil die sezierten elemente ihren ganz eigenen reigen um diese unbeantwortete frage tanzen.
es war ein abend, der von einem magengrimmen begleitet war. ja, man möchte teilhaben an der kunst des ausdrucks. auch um seines schmerzen willen. aber soll es auch eine kunst sein, an der man zerbricht. derentwegen man in die knie geht, weil sie als mittler vielleicht nicht mehr taugt? der umsorgenden hege des blues ist scout längst entstiegen, im blinden treugesang des metals ist sie längst heimatlos. die eigene melange aus wütender ruppigkeit und blinder, kindlicher folgsamkeit wird zum störfeuer, das das schiff nicht in den heimatlichen hafen der geborgenheit führt.
man wollte sie in den arm nehmen und trösten. doch war sie längst über alle bergen, den rucksack geschultert, in dem sie wohl all das mit sich führt, was sie längst abgeworfen haben sollte.
alles ist information, alles recherche. abschreiben ok, aber man wird so den dingen nicht auf den grund kommen. wenn ich etwa bei einigen blogs lese, wie sie promotextchen übernehmen, hilflos formulierungen nachstammeln und content schaufeln, wird mir schlecht. weil sie den leser in übler weise betrügen. sie zeichnen keinerlei art von berührtheit, von persönlicher empfindung nach. und darum ging es doch. oder? ashley eriksson muss man auch in besonderer weise nachspüren. da sind diese piano betriebenen popsongs, die ein frischwind siebziger jahre feeling aufkommen lassen, weniger blumenkind- als die abba- abteilung. da ist dieses weich warme weibliche organ, das sich scheinbar nie anzustrengen hat, gleich welchen herausforderungen es sich stellt. da gibt es ein paar ornamente, die den hauptakteuren aber nicht nachstellen, sondern lediglich das garniergürkchen darstellen. etwas trompete beispielsweise, ein leichter perkussionshauch vielleicht, nicht mehr. dass es sich mit "colours" bereits um das dritte album von eriksson handelt, erfährt man nicht unbedingt auf k records, die lediglich damit angeben, dass es sich um die erste veröffentlichung der in olympia beheimateten künstlerin auf ihrem label handelt. doch über lost sound tapes bewegen wir uns etwas tiefer in das auge des aufdrehenden tornados. das kassettenlabel hat "colours" nämlich bereits im letzten jahr herausgebracht. die vierzehn tracks wurden natürlich auf magnetband veröffentlicht. und schließlich finden wir hier auch den hinweis auf die ersten beiden solowerke der lake musikerin (ja, ashley ist natürlich gründungsmitglied der ebenfalls in olympia stationierten k records band): "decarnarnation" und "seasonal music" kamen seinerzeit auf brown interior music heraus .
ashley hat wirklich früh angefangen sich mit musik zu beschäftigen. gerade in den ersten kindertagen sang und beklopfte sie instrumente. ab der dritten klasse bekam sie professionelle unterstützung, sie sang in einem kinderchor. in der junior high traf man sie häufiger mit der gitarre an, um beatlessongs einzustudieren. förderung erhielt sie später durch ihren älteren bruder, der ihr unter anderem beibrachte, wie man homerecording mittels eines tascam betreibt. nach einem kurzen intermezzo an der l.a. highschool kehrte asley an ihre heimatliche high zurück, um sie zu beenden. das tägliche vierstündige pendeln war zu viel. nach und nach deckte sich die aufstrebende musikerin mit immer mehr instrumenten und aufnahmeequipment ein und konnte so mit 16, 17 jahren durchstarten. man spricht wohl insgesamt von sieben soloalben, wovon aber nur benannte drei wirklich in umlauf gerieten. um das biografische zu beenden, die wiederholung des hinweises auf lake. mit eli moore, lindsay schief und kenny tarantino trat ashley ab dem sommer 2006 an, um mit mittlerweile fünf alben zu begeistern.
nun also "colours", das sie erneut mit ihrem mittlerweile acht spuren umfassenden gerät aufnahm. das machte sie zumindest flexibel, so dass die recordingsession an den unterschiedlichsten plätzen stattfanden. dort wiurde sie auch auf ganze eigene weise inspiriert, wie von diesem john lennon song. wie war das doch gleich? findet es doch selbst heraus!
beide nachfolgenden songs sind auf dem neuen album. k records verschickt mitte juli.
ein wenig beschwingter pop gefällig? we aeronauts kämen da genau richtig für dich. hook geladen und mit raffinesse bewährt, schlägt die siebenköpfige band aus oxford zweifelsohne quer. das video zur aktuellen ep, der zweiten in der karriere der band, präsentiert den leadtrack. daneben gibt es auf der "don valley" ep weitere drei zuckerige lieder, die perfekt in den erhobenen kanon passen. mal mit trompete, dann wieder mit mandoline, immer voller enthusiasmus, mit tollen stimmen und hymnischem charakter. sehr fein.
auch so geht das manchmal. seine karriere habe ich mit verfolgt und mich an seiner musik gelabt. am ende blieben immer nur ein paar randnotizen. dabei hätte es mindestens das letztjährige "post empire" verdient, dass man sich ihm näher zugewendet hätte. doch will stratton drängt sich nicht auf, es ist zwar keine leisetreterische musik, die er uns vorgibt, doch eine rückwärtig gebundene. sie arbeitet auf und übt nicht den angriff mit horn und trompete. will wurde 1987 in kalifornien geboren, wohnte aber vornehmlich in new jersey. früh bekam er seine ersten klavierstunden. philosophie und komposition gehörten später zu seinen studienfächern. mittlerweile wohnt will in brooklyn. sein erstes album" what the night said" nahm er 2005. es erschien zwei jahre später, will hatte seine schulische karriere beendet. sufjan stevens beteiligte sich partiell an diesem ersten output. 2009 kam das zweite album heraus, "no wonder" enthielt u.a. auch gesangsunterstützung von essie jain. das dritte und vierte album folgten: "new vanguard blues" und "post empire". eine ausgiebige europatournee absolvierte stratton gemeinsam mit paleo. noch in 2012 diagnostizierte man krebs bei stratton, den er erfolgreich mittels chemotherapie und chrirugischem eingriff bekämpfte. daraus ergibt sich auch der vornehmliche grund dieses postings.
ein berg rechungen liegt noch unbezahlt auf dem küchentisch wills. so sahen sich freunde des singer/songwriters aufgerufen, eine kleine benefitaktion ins leben zu rufen. zwölf bands und künstler haben sich einige von wills songs vorgenommen und sie gecovert. kid in the attic, zachary cale, david garland, trevor wilson und viele andere mehr sind dabei und haben ein wirklich tolles werk gezwirbelt. auf bandcamp wird es ab dem heutigen 11. juni erhältlich sein. sämtliche erlöse daraus werden in vollem umfang an will weitergeleitet. abgesehen davon, dass es sich um eine feine aktion handelt, ist es im ergebnis eine herausragende musikalie. bittet überzeugt Euch selbst davon und reiht Euch schließlich in den kreis der spendenden.
randnotiz. will stratton hat ein neues album im lauf. hoffen wir, dass er es uns bald zum besten bringen kann. ich werde dann sicher mehr übrig haben als nur eine kurze erwähnung.
1. Matthew Carefully & the Memorial Concern - "Who Will" (No Wonder)
2. Wilder Maker - "The War is Over" (New Vanguard Blues)
3. Beat Radio - "You Divers" (Post-Empire)
4. Kid in the Attic - "Do You Remember the Morning" (New Vanguard Blues)
5. NY Lights - "If You Wait Long Enough" (Post-Empire)
6. Sam Moss & The Ineligible Bachelors - "The Relatively Fair" (Post-Empire)
7. Zachary Cale - "Bluebells" (New Vanguard Blues)
8. David Garland - "Vile Bodies" (Vile Bodies EP)
9. Alexandra Drewchin and Aaron Roche - "Post Empire" (Post-Empire)
10. Trevor Wilson - "Colt New Marine" (Post-Empire)
11. Jesse Rifkin - "Katydid" (What The Night Said)
ob er mit diesem werk seine finanzielle misere wird überwinden können, steht in frage, aber ein paar begeisterte wird er zu entdecken haben, die ihm mit neuem album "me moan", ab 12. juli auf sub pop, auf den leim gehen werden:
hinter diesem pseudonym versteckt sich der washingtoner john masters, der unter anderem in den bands von metropolitan und the cheniers sein können einbrachte, nun aber in solo unterwegs ist, erste musikalische momente teilt er auch mit uns: harness flux:
sie verstehen sich als indierockband und wollen somit das erbe von wolf parade oder guided by voices antreten, die brooklyner haben ein neues minialbum am start, "better" erhielt unterstützung durch einige bon iver mitglieder, ein belebender ausschnitt: bridges and powerlines:
"generic treasure" heißt sein neues album und wird am 07. august auf don giovanni records erscheinen, joe steinhardt gefällt an akustischer gitarre und mit monotonem gesang, Euch auch, mir schon: modern hut:
es ist das erste lebenszeichen vom neuen album, "set out to discover" weist also in richtung "remedies ahead", einem album, das das duo via kickstarter zu finanzieren wusste, auf bald (release am 16. august via sinnbus) mit: rue royale:
secret seven records veröffentlicht ein neues album "cold, cold" world", welches im juli erscheinen wird, townes van zandt sagte über den protagonisten: “he is one of the most spiritual cats I’ve ever met; an ace finger picker; a writer who never shirks the truth.": blaze foley:
das folkpopduo aus russell efros (vocals, guitar, synth) und drew cooper (guitar, banjo) aus brooklyn kommt uns mit ihrer ersten single "broken cabins" zur bald erscheinenden "the broken ep",
vortesten hier bei uns: over nights:
das trio stammt aus cincinnati und hat sich auf poppunk versteift, was nur auf den ersten blick blöd ist, auf den zweiten macht es garantiert spass, das album "candy waves" erschien am 18. juni auf don giovanni: vacation:
sie stammen aus der gegend um l.a., spielen gerade ihre zweite veröffentlichung ein und gehen das ganze ganz handzahm an, bewusst, gewollt und mit verstand: we are the west:
"it feels like he's pulling and sliding the steel strings through your head, from one ear to the other. ~ 60 minutes (incl bonus) of lapsteel guitar meditations and concrete drones.", schreibt treffend dying for bad music, die den release in fein verpackter cdr version herausbringen: rag lore:
der sommer ist da, nun brauchts noch die richtigen tracks dazu, new moss records veröffentlicht am 06. august "no makeup" des jungen vieres aus portland, herrlich verbratzt das ganze: summer cannibals:
mit "little life" legt fire records eine kollektion von homerecordings vor, die die singer/songwriterin bereits 2001 aufgenommen hatte, zumeist an der ukulele vorgetragen, inspiriert von ihrer arbeit mit kindern als musiklehrerin: josephine foster: